Akteursentlastendes Verständnis

August 4, 2009

Nach negativer Behandlung eines anderen versichert man ihn des Verständnisses für seine Affekte. Diese Form von Verständnis nützt mehr dem Verständnis Demonstrierendem als dem angeblich Verstandenwerdendem. Die Bekundung von Verständnis dient der Verringerung der eigenen Verantwortlichkeit für die Verursachung; sie erleichtert die Selbstexkulpation. Der Akteur salviert sich selbst; er ist zwar jemand, der anderen etwas zufügt, aber auch jemand, der Verständnis hat.

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Bedürfnisorientierte Erkenntnis der Realität

Januar 28, 2009

„Das menschliche Gehirn hatte dabei nie die Aufgabe, die Außenwelt vollständig und objektiv abzubilden, sondern so, wie es die Bedürfnisse des Homo Sapiens erforderten (…) Realität ist stets das , was wir dafür halten.“ (Ulrich Schnabel in „Zeit Wissen“ 12/2008).

Zur „Realisierung“ von Bedürfnissen ist die Beachtung von Elementen der Realität und die Entwicklung zutreffender Vorstellungen nötig.

Wenn wir etwas Falsches für Realität  halten, wird sich das nicht auf Dauer halten.

Unsere Konstruktion von „Realität“ muss sich – trotz aller damit verbundenen Schwierigkeiten – in und an der Realität bewähren.

Twitter

Dezember 9, 2008

atomisiert die Information – verstärkt die Netzbindung;

beschleunigt die Äußerung – reduziert die Überlegung;

vermehrt das Geschwätz – behindert das Auffinden relevanter Information;

animiert überflüssige Antworten auf eine belanglose Frage.

Finanzkrise: Vertrauensbildung (Merkel)

Oktober 12, 2008

!. Merkels „Garantie“-Erklärung ist nicht „belastbar“.

2. Zur Höhe der privaten Sparguthaben liegen unterschiedliche Angaben vor.

3. Die Frage der Finanzierung ist nicht geklärt.

4. Die Folgelasten sind nicht expliziert.

5. Die Regierung rechnet nicht damit, dass der Ernstfall eintritt.

Linker Realismus: „Wirtschaftsfreundlich“

Oktober 5, 2008

„‚Ich bin wirtschaftsfreundlich eingestellt (…) die Unternehmen brauchen bestmögliche Rahmenbedingungen.'“ (Angelika Gramkow, „Die Linke“, Oberbürgermeisterin von Schwerin, zit. n. SZ, 30.9.2008, S.4).

Was heißt das?

Was umfasst das alles?

Welche Auswirkungen hat das?

Grünes Eigeninteresse

Juni 20, 2008

„(…) junge Selbständige, die in ökologischer Politik eine ökonomische Chance sehen“ (Reinhard Bütikofer in SZ 19.6.2008, S. 2).

Für grüne Politik kann man sein – aber es muss etwas dabei herausspringen; Ökologie muss sich rentieren.

Traditionell sind konservative Parteien Heimstatt für Eigeninteressierte – dazu zählen auch die Grünen.

Japan: Von der „nicht-militärischen“ zur „aggressionslosen“ Nutzung des Weltraums

Mai 24, 2008

Japan verändert seine bisherige Position einer „nicht-militärischen“ Nutzung des Weltraums zugunsten einer Nutzung zu Verteidigungszwecken (www.beck-aktuell.de 23.5.2008).

Schrittweise Positionsumstellung mit differenzierten Formulierungen zur besseren Vermittelbarkeit; natürlich soll der Weltraum militärisch genutzt werden, nur einstweilen „aggressionslos“ – man kann dann (trotz der noch aufrechterhaltenen gesetzlichen Selbstbeschränkung) weitersehen, was die „Notwendigkeiten“ diktieren und die eigene Position entrestringieren und „normalisieren“.

Untersuchungsausschuss als Beschwichtigungsinstrument

April 28, 2008

Empfehlenswerte Elemente:

So schlimm war es auch nicht. Die und die Pünktchen waren (etwas) anders. Dafür konnte eigentlich so recht niemand was. Nachher ist man immer klüger.

„Übertreibungen“ müssen auf ein realistisches Maß reduziert werden. Die Angriffe des politischen Gegners, der die Vorgänge zu seinen Gunsten hochspielen und ausnutzen will, müssen pariert, der Gegner in Schach gehalten werden.

Also: Herunterspielen, die Brisanz herausnehmen, evtl. ein paar Kompromisse mit den Ausschussmitgliedern von der anderen Partei, austarieren, „ausgewogen“ präsentieren.

Außerdem ist das in einiger Zeit alles vergessen.

„Belehrsamkeit“

April 7, 2008

Es ist seit einiger Zeit ein Topos in der Film- und Literaturkritik, dass es ein Vorteil ist, wenn Filme oder Bücher nicht belehrend sind. Otto A. Böhmer hat in seiner Rezension von Schlaffers Buch zum Stil Nietzsches („Zeit“, 3.4.2008, S. 55) dafür einen Terminus kreiiert: „Belehrsamkeit“ (offensichtlich in etwas assoziativer Analogie zu „Gelehrsamkeit“: „Es kommt unangestrengt daher, entfaltet seine Klugheit ohne Belehrsamkeit und erweist sich überdies als Lesevergnügen.“).

Es gibt unangenehme, unangemessene und unergiebige Formen von Belehrung; bezeichnend für eine gängige Haltung ist aber, dass sich die Kritik gegen Belehrung und nicht gegen die Unterhaltungsformen und -inhalte , die allenthalben verbreitet werden, richtet. Das Subjekt fühlt sich, wird es belehrt, falsch behandelt; es fühlt sich aber nicht oder weniger falsch behandelt durch die Konfrontierung mit all dem, was als „Unterhaltung“ bezeichnet wird. Allenfalls ist „Infotainment“ zugelassen. Information hat unterhaltend zu sein bzw. so präsentiert zu werden, sonst gilt sie aufgrund der Darstellungsform als langweilig, trocken, inakzeptabel. Die Bedeutung der Form nimmt gegenüber dem Inhalt zu. Nun kann man einwenden: Informativ soll das schon sein, aber nicht in einer belehrenden ( das Subjekt scheinbar „entmündigenden“) Pose. Andererseits: Was ist so schlimm an Belehrung (von einzelnen Formen abgesehen – siehe oben), wenn die Inhalte zutreffend sind?

Sehen: Unschärfe-Effekte

März 6, 2008

Die (visuelle) Überprüfung, ob die Vorstellungen über die Realität zutreffend sind, wird schwieriger. Es bleibt länger Ungewissheit und daraus resultierende Unsicherheit bestehen. Die angemessenen Reaktionen können erst später einsetzen. Der Handlungsablauf wird langsamer.